Das Berliner Stadtschloss wird wieder aufgebaut. Im Juni war Grundsteinlegung.
Nicht jeder findet das gut!
Das Berliner Stadtschloss wird wieder aufgebaut. Im Juni war Grundsteinlegung.
Nicht jeder findet das gut!
Bernd Rottenecker Hohberg, den 13. 6. 2013
Hohberg
Leserbrief zum Artikel „ Nostalgie und Utopie“ Seite 2 ; Ausgabe vom 11. 6. 2013
Teures Wundpflaster
„ Der Heilung einer städtebaulichen Wunde“ diene der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, so argumentieren bei diesem zu Recht höchst umstrittenen Großprojekt die Befürworter.
Während zehntausende Menschen in diesem Lande – vor allen an Elbe und Donau – gegen die gewaltigen Hochwasserfluten kämpfen, die ihre Existenz bedrohen bzw. schon vernichtet haben, trifft sich die feine Gesellschaft in Berlin zur Grundstein-legung für den Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses.
650 Millionen Euro soll das Wundpflaster für diese Berliner Baulücke kosten ( bereits 100 Mill. mehr als zu Beginn der Planung; und wer die Erfolgsstory anderer Groß-projekte ( Stuttgart 21, Berliner Flughafen, Elbphilharmonie etc.) kennt, der weiß, dass mit dieser Summe noch lange nicht das Ende der finanziellen Fahnenstange erreicht ist.
Ob die vielen tausend verzweifelten Hochwassergeschädigten verstehen, dass für elitäre Prestigeprojekte Millionen keine Rolle spielen, während für effektiven und präventiven Hochwasserschutz das Steuergeld offenbar fehlt, kann ernsthaft bezweifelt werden
Im Übrigen verkörpert das Berliner Stadtschloss, das im Krieg schwer beschädigt, von den DDR-Machthabern abgerissen wurde und nun aufwendig aufgebaut werden soll, keineswegs die freiheitlichen und demokratischen Strömungen unserer Geschichte. Im Gegenteil: Es steht für die preußische Hohenzollernmonarchie, deren Tugenden und Traditionen, aber auch für deren expansive Kriegspolitik. Untertanengeist, Kadavergehorsam, Disziplin und Hurah-Patriotismus – das waren die bevorzugten preußischen Tugenden; damit konnten und wollten die Hohenzollern weder in Preußen noch im Reich die Gründung einer demokratischen Staatsform dulden. Und war es nicht ein Kartätschenprinz aus dem Hause Hohenzollern (der spätere Wilhelm I ),welcher der Revolution 1848/49 und deren demokratischen Forderungen mit preußischen Truppen in Baden und ganz Deutschland ein blutiges Endes bereitet hat? Auch Hindenburg, im ersten Weltkrieg kaiserlicher Generalfeldmarschall, dann , nach dem Ende der Hohenzollernmonarchie, Weimarer Reichspräsident und wilhelminisches Fossil, war einer der zahlreichen Sargnägel der ersten Demokratie in Deutschland; mit seiner Dolchstoßlegende und der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler hatte er wesentlichen Anteil an deren gewaltsamen Ende .
Wäre es nicht sinnvoller und für den Steuerzahler preiswerter, wenn die heutigen Vertreter jener deutschen Fürstenhäuser, die 1871 in Versailler Schloss jenen Kartätschenprinz als Wilhelm I auf den Kaiserthron gejubelt haben, die Kosten für das Symbol ihrer einstigen Macht selbst tragen würden. Mit ihren über zwei Weltkriege hinweg geretteten Vermögen dürfte das kein Problem sein.
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